D-Biberach | Künstliche Intelligenz eröffnet der Pharmazie und Industrie neue Möglichkeiten und bringt Fortschritte in der Entwicklung, Herstellung und Anwendung von Medikamenten. Durch die Analyse großer Datenmengen und die Unterstützung bei der Erforschung neuer Wirkstoffe sowie der Anpassung von Behandlungsplänen könnten Prozesse in der Medikamentenentwicklung beschleunigt und effizienter gestaltet werden. Diese Chancen und ihre potenziellen Auswirkungen standen im Fokus der jüngsten K(am)I(n)gespräche an der Hochschule Biberach (HBC). Die Veranstaltungsreihe ist Teil des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts KI-Teach² und wird vom Institut für Bildungstransfer der HBC geleitet. Es soll allen Angehörigen der Hochschule sowie externen Interessierten umfassende Einblicke in die Anwendung von Künstlicher Intelligenz bieten – und das fakultätsübergreifend und interdisziplinär.
KI-Einsatz in der Hochschullehre
In der jüngsten Veranstaltung der K(am)I(n)gespräche am Campus Aspach ermöglichten zwei Experten von Boehringer Ingelheim, Michael Schorpp und Joey Studts spannende Einblicke in die AI-Technologien der Pharmaindustrie. Auch Prof. Sybille Ebert, Studiendekanin Master Biotechnologie, und Doktorand Romain Topalian gaben Einblicke, wie die Fakultät Biotechnologie KI derzeit nutzt. Ebert integriert die verantwortungsvolle Nutzung von KI als nützliches Werkzeug zur Bearbeitung verschiedener Fragestellungen in ihre Lehrveranstaltungen. Dabei legt sie besonderen Wert darauf, dass die Studierenden einen kritischen Umgang mit KI erlernen und transparent darlegen, wie sie diese Tools eingesetzt haben. Erste Studentische Arbeiten an der HBC rücken demnach Künstliche Intelligenz in den Fokus. Zum Beispiel die Doktorarbeit von Topal: „Entwicklung eines safe-by-Design Ansatzes für das intranasale Arzneimittelabgabesystem“. Dabei analysiert die KI Nasengewebeproben und identifiziert strukturelle Unterschiede. Das Ziel: Höhere Genauigkeit, Sensitivität und Spezifität in der Gewebediagnostik.
Alle Vorträge zeigten, wie KI die Forschung revolutioniert, die Entwicklung neuer Medikamente beschleunigt und enorme Effizienzgewinne ermöglicht. Dabei betonten die Vortragenden die Herausforderung, KI in kritischen Bereichen wie der Pharmazie sicher und vertrauenswürdig einzusetzen.
Einblicke in KI-Technologien der Pharmaindustrie bei Boehringer Ingelheim
Michael Schorpp, Head of Digital Innovation & AI bei Global Regulatory Affairs von Boehringer Ingelheim, erläuterte in seinem Vortrag eindrucksvoll, wie Künstliche Intelligenz die Effizienz in Unternehmen steigern kann: „Bei Boehringer Ingelheim haben wir durch den Einsatz unserer Plattform in nur 15 Monaten über eine Million Arbeitsstunden eingespart.“
Diese beeindruckende Zahl ist das Ergebnis von vier Jahren intensiver Arbeit, in denen das Unternehmen zunächst seine Daten harmonisieren musste, bevor es KI-gestützte Prozesse effektiv implementieren konnte. Die Plattform ermöglicht es Mitarbeitenden, schnell auf das umfangreiche Wissen des Unternehmens zuzugreifen, Patente und Dokumente schneller zu finden und abzugleichen. „Der Weg dorthin war jedoch lang“, so Schorpp, „denn eine funktionierende KI erfordert nicht nur moderne Technologie, sondern vor allem saubere und gut aufbereitete Daten.“ Solche Einblicke verdeutlichen, wie KI langfristig eine immense Arbeitserleichterung schafft, aber auch, wie wichtig eine solide Datenbasis für den erfolgreichen Einsatz von KI im Unternehmenskontext ist.
Risiken und Chancen: Sicherer Einsatz von KI in der Pharmaindustrie
Schorpp warnte noch vor weiteren Herausforderungen: „Es gibt viele Versprechungen im Bereich KI, aber oft wird nicht alles eingehalten. Unternehmen investieren viel Geld, doch ohne die richtigen Daten und Technologien kann KI in kritischen Prozessen nicht richtig funktionieren.“ Dieses Risiko sei besonders groß, da KI-Technologien oft aus den USA stammen und europäische Firmen sich fragen müssen, ob sie diesen Anbietern vertrauen können.
Joey Studts, Head of Downstream Process Development, betonte, wie wichtig es sei, KI-Systeme vor der Implementierung gründlich zu validieren. „In der Pharmaindustrie musst du immer validierbare Antworten bekommen – eine Ungenauigkeit kann fatale Folgen haben,“ so Studts. Daher sei es entscheidend, nicht nur auf KI, sondern auf den gesamten Datenmanagement-Prozess zu achten. Beide Referenten betonten, dass KI zwar enormes Potenzial biete, jedoch kritisch hinterfragt und verantwortungsvoll eingesetzt werden müsse. „KI ist ein Werkzeug, das uns in der Industrie helfen kann, aber es ersetzt kein kritisches Denken,“ fasste Schorpp zusammen.
Künstliche Intelligenz in der Lehre: Zukunftspläne für verschiedene Fakultäten
Die Diskussion lieferte wertvolle Einblicke in die Rolle von KI in der Industrie und betonte die Wichtigkeit von gut aufbereiteten Daten, Vertrauen in die Technologie und der fortlaufenden Validierung von KI-Modellen. Absolvent*innen von heute und morgen sollten sich auf den Umgang mit KI, statistischen Modellen und Programmierkenntnissen vorbereiten, um in einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt erfolgreich zu sein, so die Experten.
(Quelle: Pressemitteilung Hochschule Biberach)